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Vom Reitpferd zur Zuchtstute
Fast jeder Stutenbesitzer trägt sich wahrscheinlich mal mit dem Gedanken, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen. Dafür gibt es vielerlei Gründe. Die beste Voraussetzung ist sicherlich die, dass man eine gesunde Stute im besten Alter hat, die ihre Leistungsbereitschaft und –fähigkeit bereits einige Jahre unter Beweis gestellt hat.
Häufig ist es aber so, dass schon beim Kauf einer Stute der vermeindliche Vorteil und zusätzlich wertsteigernde Faktor angeführt wird, dass man das Pferd, was eigentlich als Reitpferd gekauft werden soll, ja auf jeden Fall auch noch als Zuchtstute verwenden könne. Wenn dann also die Stute als Reitpferd nicht mehr eingesetzt werden kann, weil sie z.B. Bein- oder Rückenprobleme hat, so ist zu bedenken, dass man der Stute dann auch nicht unbedingt einen Gefallen tut, wenn sie dann noch elf Monate ein Fohlen austragen, auf die Welt bringen und anschließend mit dem kleinen „Springinsfeld“ über die Weide toben soll. Leider ist es zudem auch häufig so, dass viele Krankheiten sich weitervererben und man die gleiche Gesundheitsproblematik früher oder später dann auch bei der Nachzucht hat.
Selbst wenn aber bei der Stute die besten Voraussetzungen gegeben sind und einer Trächtigkeit auch keine gynäkologischen Gründe entgegenstehen ist genau zu überlegen, ob man aus dem Reitpferd wirklich eine Zuchtstute machen möchte. Auch bei einer Anpaarung mit einem optimal zu der Stute passenden Hengst (diesen zu finden ist bei der gegebenen Auswahl nicht so einfach!) muss man immer damit rechnen, dass das Fohlen nicht so ganz dem entspricht, was man sich vorgestellt hat – sprich man muss das nehmen, was kommt. Anderenfalls sollte man sich gleich mit dem Gedanken anfreunden, dass man das Fohlen bei Nichtgefallen verkauft. Dies fällt vielen Stutenbesitzern und Hobbyzüchtern aber sehr schwer. Wenn man also auf jeden Fall sicherstellen will, dass das Nachwuchspferd bestimmte Kriterien erfüllt und man dieses selber aufziehen möchte, so ist es sicherlich der bessere Weg, sich ein Absatzfohlen zu kaufen.
Ein Punkt, der leider allzu häufig in Vergessenheit gerät, sind die Kosten. Zunächst erscheint es kostengünstiger, die Stute decken zu lassen, als sich ein Absatzfohlen zu kaufen. Bei genauer Betrachtung und Berücksichtigung aller Kostenfaktoren ist es aber häufig umgekehrt. Es fallen eben nicht nur die Decktaxe und die Kosten für den Tierarzt (Folikelkontrolle, Besamung etc.) an, sondern in die Kalkulation sind strenggenommen auch sämtliche Unterhaltskosten für die Stute während der Trächtigkeit mit einzubeziehen. Häufig steht diese – zumindest zu Beginn der Trächtigkeit – noch in einem Pensionsstall für Reitpferde. Dieses bietet zwar eine Menge Möglichkeiten für die Nutzung als Reitpferd, ist aber im Vergleich zu der Unterbringung in einem Zuchtbetrieb vergleichsweise teuer.
Nun ist es natürlich nicht so, dass man die Stute nach der Bedeckung nicht mehr reiten kann. Im Gegenteil, der Stute tut es auf jeden Fall gut, wenn sie weiterhin bewegt und eine gewisse Grundkondition erhalten wird. Allerdings sollte man die Stute nicht extrem belasten. Auch sollte die Stute spätestens einen Monat vor dem errechneten Abfohltermin in die Abfohlbox umziehen, um sicherzustellen, dass ihr Organismus sich auf die dort vorhandenen Keime (lässt sich auch in der saubersten Box nicht vermeiden) einstellen kann.
Im Rahmen der Pferdeversicherung ist hier zu beachten, dass das Fohlen mit über die Pferdehaftpflicht der Mutterstute versichert ist. Die meisten Tierversicherer klären in den Versicherungsbedingungen ab, dass das Fohlen der Stute bis zu 12 Monaten in der Pferdehaftpflicht mitversichert ist.
Text und Fotos: Stiftung klassische Dressur
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