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Traumberuf Reitlehrer
Wer sein Glück auf dem Rücken der Pferde gefunden hat, möchte es oft nicht nur in seiner kargen Freizeit, sondern am liebsten den ganzen Tag über genießen – und zwar als Reitlehrer. Vor allem junge Mädchen hegen häufig den sehnsüchtigen Wunsch, ihren Beruf direkt in den Stall zu verlegen und verknüpfen diesen Gedanken nicht selten mit romantischen Vorstellungen.
Pferde kennen keinen Stundenplan
Natürlich ist das Arbeiten mit lebendigen Wesen – und dazu gehören sowohl die Pferde als auch die Reitschüler – eine erfüllende und abwechslungsreiche Angelegenheit. Doch der Berufsalltag gestaltet sich oft wenig romantisch: Reitlehrer müssen bei Wind und Wetter – sei es eisige Kälte im Winter oder drückende Hitze im Sommer – ihre Tiere versorgen, den Beritt von Privatpferden übernehmen, mittags Kinderreitstunden und Voltigieren unterrichten, abends – oft um 19 oder 20 Uhr – die Erwachsenen oder Turnierreiter trainieren. In vielen Anlagen herrscht erst nach 22 Uhr Stallruhe, und der Samstag ist ein ganz normaler Arbeitstag. Zwischen den festen Terminen warten harte körperliche Arbeit und nicht planbare Ereignisse auf den Reitlehrer. Dazu gehören einerseits erfreuliche Dinge wie eine Fohlengeburt oder die spontane Betreuung neuer Schüler, aber andererseits auch belastende Momente wie das Versorgen eines kranken Pferdes, Stürze von Reitschülern oder andere Unfälle. Übrigens ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Vereins-Reitlehrer auf dem Stallgelände wohnen, damit sie jederzeit für Probleme und Schwierigkeiten ansprechbar sind.
Reiterliche Grundausbildung ist unabdingbar
Berufsanwärter sollten sich also mit den realen Stallbedingungen auseinandersetzen, wenn sie ihren Traum vom Reitlehrerdasein in die Realität umsetzen möchten. Sie sollten physisch und psychisch belastbar sein und auch in kritischen Situationen Ruhe bewahren können. Ein gewisses pädagogisches Geschick und die natürliche Freude am Kommunizieren mit Kindern und Jugendlichen ist ebenfalls von Vorteil. Am wichtigsten aber ist freilich das Talent im Umgang mit Pferden und auf dem Pferd. Eine solide reiterliche Grundausbildung und im Idealfall mehrere Jahre Turniererfahrung sind ein Muss. Ein Reitlehrer wird sich nicht darauf beschränken können, sein eigenes, vertrautes Tier zu reiten, sondern sollte am besten sämtliche Schul- und Turnierpferde im Stall vom Sattel aus kennen und beherrschen können. Nicht jeder, der reiten kann und dies mit Begeisterung tut, ist also für den Vollzeit-Beruf des Reitlehrers geeignet. Die Quote derer, die ihre Ausbildung unterbrechen oder nach einigen Jahren der Praxis wieder aussteigen, ist mit gut 50 Prozent relativ hoch.
Hinzu kommt, dass die Anfragen auf die Bewerberstellen meistens sehr üppig ausfallen und sich die begabteren Reiter rasch gegen ihre Konkurrenten mit weniger Erfahrung und geringerem Können durchsetzen. Viele Berufsreitlehrer betrachten ihre Ausbildungszeit im Nachhinein als die härteste Phase ihrer reiterlichen Laufbahn – und das kommt nicht von ungefähr: Die Ausbilder prüfen ihre Zöglinge auf Herz und Nieren, um beurteilen zu können, ob diese ihrem zukünftigen Beruf gewachsen sind. Eine robuste Gesundheit ist den Auszubildenden dabei ein ebenso hilfreiches Werkzeug wie die Bereitschaft, Privates im Zweifelsfall hintenan zu stellen. Pferde sind keine Maschinen und haben spezielle Bedürfnisse, so dass immer wieder ungeahnte Überstunden anstehen oder die Stallmitarbeiter im besonderen Maße gefordert werden.
Meisterabschluss als Basis für Erfolg
Die Ausbildung ist in Deutschland durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung geregelt. Offiziell wird der ausgebildete Berufsreitlehrer als „Pferdwirt mit Schwerpunkt Reiten“ bezeichnet. Die Ausbildung zieht sich über die Zeit von drei Jahren hin; alternativ können auch separat die Trainerscheine A, B und C absolviert werden. Nach bestandenem Abschluss als Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten kann zudem die Qualifikation als „Pferdewirtschaftsmeister – Teilbereich Reitausbildung“ angestrebt werden. Reitlehrer in einem großen Verein oder renommierten Stall haben fast immer den Meisterabschluss in der Tasche. Denn nur mit dem Meisterabschluss können auch Führungsaufgaben übernommen werden – dazu zählen zum Beispiel das eigenständige Leiten einer Reitschule oder/und das Ausbilden von Nachwuchs-Pferdewirten.
Das selbstständige Leiten einer Reitschule birgt tagtäglich eine hohe Verantwortung. Deshalb ist es unabdingbar, dass Reitlehrer sich umfassend versichern, damit ihnen im Falle eines Sturzes von Reitschülern oder anderen durch Pferde ausgelösten Unfällen keine rechtlichen Schwierigkeiten drohen und die Reiter stets gut versorgt sind.
Text: Bettina Belitz
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